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„Übermut tut selten gut!"
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- Geschrieben von: Andreas Bauer
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Die Story vom Kunstflugsegler, der es etwas übertrieben hat.
Am Anfang war der „PILATUS B4“ ein sehr agiler und flotter Kunstflugsegler, der keine Flugfigur scheute. Ob Looping oder Turn, Rolle gerissen oder gestoßen, Trudeln oder Rückentiefflug in Ameisenkniehöhe. Der PILATUS machte alles mit. Er war fast unverwüstlich. Ein Draufgänger!

Eines Tages kam er auf die Idee, seinen soliden brushless Outrunner (Elektromotor) mit Klappluftschraube durch einen Impeller zu ersetzen. Also unterzog er sich einem größeren chirugischen Eingriff, wobei der Elektromotor entfernt, eine neue Schnauze angeformt und auf die Holmbrücke zwischen den Flächen eine Turbine aufmontiert wurde.
Er sah jetzt richtig stark aus mit dem neuen Rumpfbug und dem Impellertriebwerk obendrauf. Und fliegen konnte er auch, und wie! Zu seinem rasanten Kunstflug kam jetzt noch der irre Sound eines „Düsentriebwerkes". PILATUS war die Show, wenn er auf den Flugplatz kam.
Und er genoss es!
Eines Tages turnte er wieder wie verrückt im Luftraum herum, bis nach einem fast senkrechten Sturzflug, der natürlich mit beinahe Vollgas durchgeführt wurde, sich der Rotor des Impellers mit einem jaulenden Geräusch zerlegte, und förmlich explodierte. Zwar konnte der PILATUS im Gleitflug problemlos landen, aber der Impeller war irreparabel erledigt.
Nach einer längeren Ruhephase im Bastelkeller kam dem Kunstflugsegler eine Idee: „Back to the roots!“ dachte er sich und mutierte zu einem "reinen Segler", also kein Motor, kein Regler, kein Faltpropeller, nur ein dreiachs gesteuertes Flugzeug mit eingebauter Schleppkupplung und einem Stahlhacken unten am Rumpf für einen evtl. Hochstart.
So ging es denn zum Flugplatz, wo ich mit meinem Enkel Stefan, ein erfahrener Schlepppilot mit der "FUN CUB", den ersten Flugzeugschlepp durchführte.
Zwar reagierte PILATUS am Seil etwas nervös, aber eine Höhe von über hundert Meter war schnell erreicht und nach dem Ausklinken flog der Segler flott und sicher seine Höhe ab. Auch der zweite Start im F-Schlepp verlief erfolgreich, wobei fast die Sichtgrenze erreicht wurde und PILATUS aus größerer Höhe sicher zur Landung hereinschwebte, nachdem er gezeigt hatte, dass er Rollen und Loopings auch ohne Motor fliegen kann.
„Back to the roots!“ War doch die Idee! Also warum nicht mal einen Start im Autoschlepp probieren oder noch besser mit einem Quad? Stefan ist nämlich nicht nur ein begeisterter Modellflieger, sondern auch ein leidenschaftlicher Quadfahrer. Also gings diesmal hinaus in die Flur, auf einen zum Wind passenden Feldweg, wo etwa 100Meter Maurer-Schnur ausgelegt wurden. Das eine Ende wurde am Quad befestigt, das andere an der FS-Kupplung. Die Nase im Wind lag PILATUS auf dem Feldweg und Stefan zog vorsichtig an. Tatsächlich kam der Segler vom Boden frei und stieg im flachen Winkel bis ca. vierzig Meter Höhe. Weiter gings nicht. Die Schleppkupplung war zu weit vor dem Schwerpunkt und damit war kein größerer Anstellwinkel möglich. So konnte keine Höhe erreicht werden.
Deshalb klingte ich in ca. 40 Meter Höhe aus und landete nach kurzem Flug wieder an der Startstelle. Um mehr Höhe zu gewinnen, musste das Schleppseil näher am Schwerpunkt des Modells eingehängt werden. Und da war nur der feste Haken für den Hochstart mit dem Gummiseil, das beim Überfliegen bzw. Nachlassen der Seilspannung aus den Haken rutschte und zu Boden fiel. Mit gemischten Gefühlen hängten wir die am Quad festgebundene Schnur an den Hochstarthacken, der Tatsache bewusst, dass wir im Notfall nicht ausklinken konnten! Das Seil musste spätestens beim Überfliegen des Schleppers von selbst aus dem Hacken herausfallen.
„No risk, no fun!” Der Pilatus hat schon einiges ausgehalten und heil überstanden, warum nicht auch einen Schlepp am Hochstarthacken?
Seil eingehängt, langsam zog Stefan das Seil straff und auf mein Kommando hin gab er zügig Gas. Der Segler schoss fast aus dem Stand blitzartig in die Höhe und ich hatte Mühe, ihn am seitlichen Ausbrechen zu hindern. Pfeifend schoss er von rechts nach links und von links nach rechts, gewann aber sehr schnell an Höhe. Stefan meinte es gut und gab noch ein bisschen mehr Gas.
Das war zu viel!
Pilatus war überfordert! Ihn verließen die Kräfte! Erst verlor er die rechte Tragfläche und er drehte wie verrückt Rollen am Seil, dann flog auch die linke Fläche davon.
Während die beiden Flügel langsam dem Boden zu trudelten, schoss der Rumpf immer noch am Seil hängend in Richtung Ackerboden. Ich konnte ja nicht ausklinken und Stefan musste auf den Weg achten und merkte viel zu spät, dass er nur noch den Rumpf ohne Tragflächen hinter sich herzog. Beim Aufschlag auf dem Ackerboden zerlegte sich auch noch das gesamte Leitwerk, so, dass nur noch der aerodynamisch wohl geformte schlanke Rumpf intensiven Kontakt mit der Gülle getränkten Ackererde hatte.

So blieb uns beiden Aviatikern nur noch die traurige Pflicht, die übel riechenden Reste des einst so stolzen Kunstflugseglers „Pilatus B4“ einzusammeln und etwas zerknirscht den Heimweg anzutreten, der Tatsache bewusst, dass vor allem in der Fliegerei gilt: "Übermut tut selten gut!"
Andreas Bauer
Febr. 2026
So ein Zufall ! Der heilige Antonius und ein „Mauersegler“
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- Geschrieben von: Andreas Bauer
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Es war doch der heilige Franziskus, der den Vögeln predigte und nicht sein Ordensbruder Antonius. Was hat nun der fromme Mann aus Padua mit einem Mauersegler, dem allseits bekannten Zugvogel zu tun? Eigentlich nichts, aber für mich schon, wie ich glaube.
Zeitgenössisches Gemälde des hl. Antonius ( Guercino 1656)
Die ganze Geschichte beruht auf der Tastache, dass ich ein leidenschaftlicher Flieger und Fluglehrer war und jetzt im Alter, nach dem aktiven Sport, das Modellfliegen genauso gern betreibe. Auch meinen Enkel Stefan habe ich mit diesem „Virus“ angesteckt. Nicht immer zur reinen Freude von Oma und Tochter ! Mit Stefan, damals etwa 14 Jahre alt, zusammen bauten wir aus Depron (Art von Styropor) ein ferngesteuertes Flugmodell, das einem Mauersegler sehr ähnlich war.
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Der "Mauersegler" mit der Fernsteuerung | ![]() |
Der künstiche Vogel im Flug |
Vor Allem im Flug waren die Modelle kaum von den „Originalen“ zu unterscheiden. Selbst die Schwalben und einige Turmfalken fielen anfangs darauf rein, bis sie merkten, dass ihnen kein gefiederter Kollge den Luftraum streitig macht, sondern ein technisches Gerät aus Menschenhand. .
Inzwischen ist mir dieses Flugmodell zu einem wertvollen Erinnerungsstück geworden, das ich nur ein- oder zweimal im Jahr aus dem Keller hole, um den „Mauersegler“ in Action zu erleben. Stefan ist erwachsen und steht mitten im Berufsleben, fliegt aber immer noch gerne verschiedenste Modellflugzeuge, wenn es ihm die Zeit erlaubt. Seit einigen Jahren in Pension habe ich natürlich mehr Zeit als er, unserem Hobby nachzugehen.
So kam es, dass ich an einem mildwarmen Sommerabend im letzten August auf der Terrasse sitzend, den Schwalben bei ihrem eleganten Flug zuschaute und ihre gekonnte und unglaublich schnelle Jagd um Häuser und Bäume bewunderte. Schwalben sind den Mauerseglern im Flug ziemlich ähnlich , nur etwas kleiner , aber genau so wendig und schnell.
Die alte Leidenschaft fürs Fliegen brachte mich auf die Idee, es den Vögeln ein bisschen gleich zu tun.
Ich ging in den Bastelkeller und holte meinen etwas verstaubten „Mauersegler“ aus dem Regal, bestückte ihn mit frischgeladenen Akkus , richtete die Fernsteuerung her und kurz entschlossen gings hinunter zu einer nur zur Hälfte gemähten Wiese am Ortsrand, meinem “Privatflugplatz“.
Ein sanfter Ostwind strich über das kniehohe Gras den leichten Hang herauf und die Sonne stand schon tief im Westen, wo sie bald hinter den großen Hecken untergehen würde. Ideale Bedingungen für einen abendlichen „Lustflug“, stellte ich für mich fest. Also, Sender ein, Empfänger ein, dreimal piepst der Regler, der Elektromotor surrt wie gewohnt leise und die Ruder zum Steuern des Fluggerätes funktionieren einwandfrei .
Mit einem leichten Schubs übergebe ich den Vogel seinem Element.
Eine wahre Geschichte aus dem Jahr 2017
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- Geschrieben von: Andreas Bauer
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ARCUS auf Abwegen
Er ist ja nicht mehr der Jüngste, mein 2,6m Motorsegler ARCUS von robbe.
Zweimal hat er schon den Motor verloren, dreimal schon die schön blaumetallik glänzende Haube und einmal hat der Regler zu qualmen begonnen, wobei ARCUS ganz cool blieb und selbständig in einem Maisacker landete. Also ein erprobter und flugerfahrener Oldtimer, der das (Modell)-Fliegerleben kennt.
Was er sich aber gestern geleistet hat ist schon ein starkes Stück.
Zugegeben, das Wetter war eher suboptimal: ein böig, ruppiger Südwestwind fegte diagonal über den Platz und alle Modellflug-Kollegen hatten schon ihre kostbaren Geräte sicher in den Autos verstaut. Nicht so ARCUS! „ Bei schönem Wetter kann jeder fliegen !“, besagt eine alte Fliegerweisheit. Also wurde ARCUS zusammengesteckt, den 3000mAh/4S –Lipo rein, kurzer Rudercheck und ab ging die Post, Richtung Südwesten , dort wo am Hang der dichte Wald mit seinen hohen Fichten und Buchen steht. ARCUS kämpfte sich mit Vollgas gegen den Sturm vor und gewann sehr rasch an Höhe.
Nach einem wilden Tanz in der bodennahen Turbulenz stand er bald in ca. 200m Höhe über dem Hang souverän im Aufwind. Nase in den Wind und Motor aus und ARCUS zeigte, dass er ein Segler ist und er hielt seine Höhe, stieg sogar etwas, um kurz darauf wieder durchzusacken. Es war doch ganz schön bockig da oben.
Vielleicht hätten wir doch am Boden bleiben sollen? Ach was: „Bei guten Wetter kann jeder...!“ Also Gas rein und wieder Höhe tanken, damit wir den Bäumen und damit den Verwirbelungen ja nicht zu nahe kommen. Geht doch! ARCUS „stand“ wieder ruhig mit der Nase im Wind, hoch über dem dunklen Wald. Kurzzeitig kam jetzt sogar die herbstliche Sonne zwischen den Wolkenbergen hervor.
Mist! ARCUS flog jetzt genau vor der Sonne und ich konnte ihn für Sekunden nicht sehen. Also nichts wie weg von der Sonne, nach Norden, wo zwar weniger Hang und Wald ist, aber keine Sonne mehr blendet. Der stürmische Rückenwind jagte den Segler rasend schnell aus dem Aufwind raus, auf den Flugplatz zu, aber genau in die starken Leewirbel des Waldes rein.
Und dann ging´s sehr schnell:
Trotz Vollgas tauchte der Motorsegler nach unten weg und alles Ziehen am Höhenruder half nichts mehr: ARCUS verschwand hinter den dunklen Fichten! Sekunden später trug mir der Wind ein krachendes, knisterndes Geräusch zu und ich wusste:
ARCUS hängt, liegt oder pendelt im Deutschen Wald!
Dieser berüchtigte Wald hat uns schon viele Stunden verzweifelnder Suche nach abgetauchten Modellen gekostet. Also wieder einmal losgestapft! Ungefähr auf die Stelle zu, wo er zum letzten Mal noch zu sehen war. Dort angekommen war natürlich kein ARCUS zu sehen. Die Wipfel der mächtigen Fichten bogen sich im rauschenden Wind, die Plize standen massenweise am Waldboden und in einiger Entfernung alberten ein paar Raben um die bewegten Baumkronen herum. Wo ist der ARCUS? Hätte ich doch den Piepser eingebaut, der bei einer Außenlandung akkustisch den Aufschlagpunkt lokalisieren lässt! Also weitersuchen! Über mir hörte ich das Surren einer Drohne mit Kamera, mit der ein hilfsbereiter Freund nach dem Modell suchte, aber nichts fand.
Alte Herrn und neue Flieger
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- Geschrieben von: Andreas Bauer
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Es ist fast immer was los auf dem Nennslinger Modellflugplatz. Nicht nur am Wochenende, auch unter der Woche treffen sich die leidenschhaftlichen Bastler und Hobbypiloten, um ihre " fliegenden Kisten " im Flug zu erproben.
Der deutsche Rentner hat ja angeblich nie Zeit. Nicht so die modellfliegenden Ruheständler! Jeden Mittwoch kommen sie zuverlässig aus allen Himmelsrichtungen auf`s Hochfeld bei Nennslingen.
Ob 85 oder 65 Jahre alt, ob Handwerker, Ingenieur , Apotheker , Lehrer , Doktor oder sonst ein „frei schaffender Künstler“, alle treibt die leidenschaftliche Freude am Fliegen, am Umgang mit modernster Technik , am Be-und Verarbeiten der unterschiedlichsten Materialien und auch der Kontakt und fachspezifische Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten zur Ausübung ihres äußerst vielseitigen und anspruchsvollen Hobbys an.
So wie viele der alten Herren vor fünf, sechs oder noch mehr Jahrzehnten ihre kindlche Freude daran hatten, wenn der selbst gebaute „Kleine UHU“ zum ersten Mal richtig flog, so können sie sich auch heute noch freuen, wenn ihre „Kunstwerke“ aus Balsa, Glasmatte, Kohle (Carbon) Epoxidharz oder Styropor sich von ihnen ferngsteuert in die Luft erheben. Ein wirklich " erhebendes Gefühl“, wie jeder Modellflieger bestätigen kann.
Wenn dann auch die Landung noch klappt, ist das Glück der „Aviatiker“ fast perfekt und es gibt beim Mittagessen und beim Kaffee im Clubheim sooo viel zu erzählen.
Und nicht nur ihren Vereinskamerden zeigen und erklären die Alten Herren ihre Fluggeräte, auch interessierte Zuschauer werden gerne informiert und sind beim „Jura-Modellsportverein-Nennslingen e.V.„ herzlich willkommen.
"Auf geht’s !"
Nostalgie mit modernster Technik, die Pitts S2
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- Geschrieben von: Andreas Bauer
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Etwas Magisches muss der kleine rote Doppeldecker an sich haben.
Auffallend ist, dass inzwischen schon vier Herren der „reiferen Fliegerjugend“ der Nennslinger Modellflieger sich in kurzen Zeitabständen die „Pitts“ zugelegt haben. Wer sich für die Fliegerei interessiert, kennt diesen spritzigen, kleinen Doppeldecker, der auch heute noch auf vielen Flugfesten zu sehen ist. Obwohl das Original aus dem Jahre 1944 stammt, übt dieser fliegerisch sehr anspruchsvolle Doppeldecker in „Fachkreisen" immer noch seinen Reiz aus.
So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Modellflieger diesen sagenumwobenen und ob seiner „Giftigkeit“ auch berüchtigten Doppeldeckers in ihren „Hangars“ haben wollten.
Neben verschiedensten Ausführungen in Bauart, Größe und Motorisierung, hat die Firma „Fms®“ nun ein Modell aus einem sehr leichten, aber stabilen Formschaum (ähnlich „Styropor“) auf den Markt gebracht, das neben einem interessanten Preis-Leistungsverhältnis auch ein sehr gefälliges Äußeres und ein solides „Innenleben“ bietet.
Der Karton enthält alles, was der Modellpilot zum Fliegen braucht: BL-Motor mit Regler, alle Servos eingebaut und am Ruder angschlossen, sogar ein Gyro (Reflex) ist im Rumpf zu finden.

Während das Original mit 6,10m Spannweite, 264 PS benötigt , um die 640 kg durch die Luft zu wirbeln, hat der BL-Antrieb mit 460KV des nur 3,5 kg wiegenden Modells bei 1,40m Spannweite leichtes Spiel.
Mit 72g/ qdm Flächenbelastung kann die „kleine Pitts“ endlos senkrecht nach oben wegsteigen, denn der 50A-Regler wird von einem Lipo 6S/ 5000mAh versorgt.
So ist es nicht verwunderlich, dass auch seriöse Herren im Renten- bzw. Pensionsalter ihren Spaß daran haben, mit hundertzwanzig Sachen im Tiefflug über die Landebahn zu rauschen, um dann Rollen drehend senkrecht in den blauen Himmel über dem Hochfeld zu steigen. Und das alles sehr „umweltverträglich “ und fast geräuschlos, da elektrisch !
Vier originalgetreue Maschinen des legendären Kunstflugdoppeldeckers stehen schon am „Abstellplatz“ des JMSV- Nennslingen, vielleicht kommen noch einige dazu?
Text :
Andreas Bauer
Fotos:
Fritz Deffner

















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